Wörter

Léon ist von drei oder mehr Sprachen in seinem Alltag umgeben. Aus seiner Sicht ist es jedoch vermutlich so, dass für ihn verschiedene Leute einfach verschiedene Wörter für die gleichen Dinge haben. Wir haben ihm bis jetzt noch nichts von Deutsch, Englisch oder Französisch erzählt. Wir sagen stattdessen oft so etwas wie zum Beispiel: “Papa sagt Löffel, und Mama sagt spoon. Und was sagt Francine (oder eine andere Betreuerin aus der Crèche)? Cuillère.”

Über Ostern hat er wieder einige Zeit bei Oma und Opa verbracht, und sein Deutsch hat ein paar Sprünge gemacht. Oma und Opa verwenden mit Léon einige Babysprach-Begriffe, die er bei vorherigen Besuchen sagte, inzwischen aber ersetzt hat. Aus Gewohnheit, weil sie vielleicht denken, Léon versteht sie so besser, oder weil es einfach lustige Wörter sind. Interessanterweise hat er einige dieser Wörter (wieder) aufgenommen. Er kann sich meiner Meinung nach nicht an die Baby-Wörter erinneren, aber für ihn ist es einfach das Wort, das Oma und Opa benutzt.

So sagt Léon”Lego-Tschu-Tschu”, wenn er bei den Großeltern ist, oder über dessen (mein altes) Spielzeug redet, obwohl er mit mir “Zug” und “Eisenbahn” benutzt. Und Omas Begriff für Schlafen ist “Hush”, vielleicht kommt das vom Geräusch, das er und wir machten, wenn wir so tuen, als ob wir schlafen, oder vom “Hush”, das die alte Frau in “Good Night, Moon” sagt. Jedenfalls kann Léon seit langem “schlafen” sagen, in Ulm benutzt er aber manchmal “hush”. Das dritte Beispiel, das mir noch einfällt, ist Opas Lautmalerei “Bim-Bam” für die Kirchturmglocke, die Léon zu dem schönen Satz veranlasst hat: “Die Bim-Bam macht ding-dong.”

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